Die Stars von morgen erkennen
Wie PROSPORT Allgäu entscheidet, welche Talente gefördert werden und welche nicht
Von AZ-Redaktionsmitglied Thomas Weiß
Die Köpfe rauchen, Papierstapel werden hin und her geschoben. Im Regionalzentrum in Oberstdorf steht wieder einmal eine ganz knifflige Aufgaben bevor. Es soll (vor-) bestimmt werden, welche talentierten Nachwuchssportler aus Region künftig eine finanzielle Unterstützung von PROSPORT Allgäu-Kleinwalsertal bekommen und wer nicht. "Etwa hundert Anträge trudeln bei uns jährlich ein", erzählt PROSPORT-Geschäftsführer Stefan Huber bei einem Treffen des Sportausschusses. Günther Hartung, der als Trainingswissenschaftler in Oberstdorf arbeitet, ist Vorsitzender dieses Gremiums, Horst Leidel sein Stellvertreter. An diesem Nachmittag prüfen sie knapp 40 Anträge, um später dem Vorstand eine Entscheidungsgrundlage an die Hand zu geben. 65 000 Euro werden in diesem Jahr "ausgeschüttet", zuvor gesammelt über Beiträge, Spenden, Sponsoren und Verkaufsaktionen (Sportler-Brot, Sportler-Wurst, Müsli-Riegel). Förderantrag: Auf einem Formblatt müssen die Sportler Angaben zur Person machen und zur Höhe der Aufwendungen pro Jahr. "Bei einem Alpin-Skifahrer oder Mountainbiker sind das wegen der hohen Materialkosten bis zu 7500 Euro, bei Langläufern und Skispringern etwa 4000 Euro", erklärt Hartung. PROSPORT verlangt eine Stellungnahme von den Trainern , warum ihre Schützlinge gefördert werden sollen. "Da wird auch die finanzielle Situation der Eltern berücksichtigt", so Leidel. Zurückgewiesen werden Anträge von nicht-olympischen Sportlern. "Einem Gokart- und Motorrad-Fahrer sowie einem Wakeboarder haben wir absagen müssen", zuckt Hartung mit den Schultern. Nicht förderfähig seien zudem Anträge von Sportlern, die zu jung ("noch ohne erkennbare Perspektive") oder zu alt sind, wenn sie keinem Jugendkader angehören und wenn sie beispielsweise im A- oder B-Kader eines nationalen Verbandes stehen und so ohnehin in den Genuss einer materiellen und finanzillen Unterstützung durch den Verband kommen. Wie hoch ist die Förderung? Der 19-jährige Jayson Schinköthe, zweifacher Jugend-Europameister aus Kempten, bekommt beispielsweise eine Unterstützung von 50 Euro monatlich, um seinen Sport weiter ausüben zu können. Der 19-jährige ist "überglücklich und dankbar", denn ohne PROSPORT, ohne einen Mini-Sponsor und ohne die vergünstigte Bahn-Card der Deutschen Sporthilfe, "könnte ich meinen Sport so nicht ausüben." Etwas mehr, nämlich 90 Euro monatlich bekommt ein Schüler im Sportinternat in Oberstdorf. Da ein solcher Platz 450 Euro monatlich kostet und die Deutsche Sporthilfe 150 Euro zuschießt, könne so Hartung die Belastung für die Eltern auf 210 Euro, "also unter die Hälfte gedrückt werden". Projekt- und Teamförderung: PROSPORT Allgäu hat sich entschlossen, das Geld nicht mehr nur an Individualsportler, sondern verstärkt an Mannschaften ("da ist die Kontrolle einfacher") und Projekte ("wir schaffen dadurch erst einmal eine gute Infrastruktur") zu geben. So seien maßgebliche Gelder in das Alpine Trainingszentrum am Oberjoch, ins Trendsportzentrum in Nesselwang und in die Schanzen in Füssen investiert worden. Folgende Teams werden gefördert: die Mannschaften Alpin, Biathlon, Freestyle und Langlauf beim Allgäuer Skiverband sowie der Alpin-Stützpunkt "Head" im Ostallgäu. Weitere Infos unter www.PROSPORT.org
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Günther Hartung, Horst Leidel, Stefan Huber (Bild: Charly Höpfl)
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